Digitalisierung – Werkzeug für Entwicklung in Sub-Sahara Afrika? (24.6. – 25.6. in Berlin)

Am letzten Juniwochenende haben wir uns im Rahmen eines dreitägigen Seminars in Berlin mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in Sub-Sahara Afrika beschäftigt. Das Seminarwochenende begann am Freitagnachmittag mit einer kurzen Einführung von Yannik Meffert, Referent für entwicklungspolitische Kooperationen und Projekte in Deutschland der FNF, zu der Inlandsarbeit der Stiftung im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Daraufhin hat uns Till Mansmann, MdB und Entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Einblicke in aktuell relevante Themen in der Entwicklungspolitik gegeben und uns in die Themen der Entwicklungszusammenarbeit in Sub-Sahara Afrika und der Rolle von Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit eingeführt. Er hat dafür plädiert „Development, Diplomacy and Defense“ zusammenzudenken und hervorgehoben, dass eine flächendeckende Energieversorgung eine Grundsatzvoraussetzung für Digitalisierung und Entwicklung in Afrika ist. Doch damit war der erste Seminartag noch nicht vorbei: In einem virtuellen Vortrag haben uns AbdulHamid Yahaya and Oladele Oloruntoba von e-Health Africa berichtet wie Gesundheitssysteme in Nigeria und Tansania durch digitale Lösungen verbessert werden können, z.B. durch Malaria GPS Tracking, Planungstools für Gesundheitseinsätze und Echtzeitüberwachung der HIV-Inzidenz. Im Anschluss haben wir den erkenntnisreichen ersten Seminartag mit Pizzen ausklingen lassen.

Nach den generellen thematischen Einblicken und dem ersten Themenfokus Gesundheit am Freitag, ging es am Samstag mit Case Studies zu den Themen Finanzen, Women Empowerment und Bildung weiter. Den Auftakt gegeben hat Jana Hamdan, Research Associate am DIW Berlin, die uns spannende Einblicke in ihre Forschung zu Mobile Money in Uganda gegeben hat. Mobile Money funktioniert wie eine Art Pay Pal für das Handy, das über Mobilfunkanbieter freigeschaltet werden kann. Über SMS kann Geld an andere Personen gesendet werden. Mobile Money wurde 2007 in Kenia eingeführt und wird inzwischen in weiten Teilen Sub-Sahara Afrikas genutzt. Die Nutzung von Mobile Money in Uganda konnte mit folgenden positiven Effekten assoziiert werden: Erhöhte Kontrolle von Finanzen (auch für Frauen), günstigerer Zugang zu Finanzprodukten (im Vergleich zu anderen Finanzprodukten) sowie positive Wirkung auf wirtschaftliche Entwicklung. Allerdings ist die Nutzung von Mobile Money auch mit Risiken verbunden. Es bestehen Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, die Nutzung von Mobile Money kann zu Glückspielrisiko verleiten, da es möglich ist Schulden aufzunehmen, zudem ist die Gebührenstruktur komplex gestaltet (z.B. werden für kleine Beträge relativ hohe Gebühren gezahlt).

Sophia Mwema hat uns die Arbeit von Afrolynk vorgestellt und erläutert wie digitale Bildung zur Stärkung der Rolle von Frauen führen kann. Begleitet wurde der Vortrag von Reginald Nsowah und Moses Acquah von Afrolynk, die virtuell zugeschaltet waren. Afrolynk ist ein „tech & entrepreneurship space“, das Start-ups und Unternehmen, die sich auf Afrika konzentrieren und/oder auf den afrikanischen Markt expandieren wollen, miteinander verbindet. Zudem zielt Afrolynk darauf ab durch diverse Projekte, wie Data Science Trainings, Frauen in den männerdominierten Bereich der Technologien einzuführen. Denn digitale Technologien können den Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen verbessern, da digitales Arbeiten flexibler ist und es ihnen erlaubt neue Märkte zu erschließen und Geschäftsabläufe zu verbessern, z.B. durch digitale Buchführung. Zudem erleichtern digitale Technologien den Zugang zu Finanzmitteln. Die weite Anwendung von Technologien durch Unternehmerinnen in Sub-Sahara Afrika steht aber noch vor vielen Herausforderungen: Mangelnder Zugang zu Handys/Smartphones und Laptops, fehlende Internetverbindung, eine geringe Alphabetisierungsrate und geringe Vorerfahrungen mit digitalen Technologien sind nur einige der Herausforderungen mit denen Afrolynk in den Trainingsprogrammen konfrontiert ist.

Im Anschluss hat uns Freddy Bachmann, Mitgründer von Next Generation Africa, verdeutlicht wie digitale Technologien zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Malawi beitragen. Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt und hat im Bildungssektor vor allem mit einem Mangel an Bildungsressourcen, wie Büchern, zu kämpfen. Aufgrund unzuverlässigen und sehr teuren Internetzugangs können Lücken nicht durch das Internet gefüllt werden, sodass Lehrkräfte und Schüler nur eingeschränkten Zugang zu Informationen haben. Zudem sind Computer zwar teilweise in Schulen vorhanden, werden jedoch nicht genutzt und sind somit „stranded ressources“. Im Rahmen eines Besuchs an der Chaminade Secondary School in Malawi in 2016, kamen Freddy Bachmann und Niels Kunz daher auf die Idee, ein Offline-Wikipedia sowie einen Mini-Server an der Schule zu installieren um den Schülern und Lehrern somit Zugang zu dem riesigen Pool an Wikipedia-Information zu ermöglichen. Aus dem Projekt, ist der Verein Next Generation Africa enstanden. Unter anderem bietet der Verein inzwischen für verschiedene Schulen in Malawi eine sogenannte „digital library“ an, die auf Servern in den Schulen gespeichert ist und dort über Laptops und Handys auch ohne Internet abgerufen werden kann. Internet wird hierbei nur für Wartungen und Informationsupdates benötigt. Freddy Bachmann hat betont, dass die Projekte von Next Generation Africa ein umfangreiches pädagogisches Gesamtkonzept, gekoppelt an die technischen Lösungen, beinhalten. Denn wenn digitale Lösungen nicht in soziale Strukturen eingeführt und von lokalen Communities selbst getragen werden, werden sie nicht genutzt. Dies ist auch als Prinzip des „Social Embeddedness“ bekannt.

Am Sonntag endete das vielfältig aufgebaute Seminar mit einer Q&A Session mit Victor Elemchukwu, ONE Botschafterin aus Nigeria, die selber im Bereich digitaler Bildung von Mädchen ehrenamtlich aktiv ist. Sie hat mit uns Fragen und Ideen, die während des Seminars entstanden sind, diskutiert und sehr persönliche Einblicke in die Herausforderungen, die der Digitalisierung in Sub-Sahara Afrika noch im Wege stehen, geben können. Unser Fazit des drei-tägigen Seminars: Digitale Technologien bieten immense Potenziale um in Sub-Sahara Afrika Gesundheitssysteme zu stärken, die finanzielle Inklusion bisher benachteiligter Gruppen zu fördern, Frauen zu unterstützen wirtschaftlich aktiv zu sein und den Zugang zu Bildung zu erweitern. Allerdings können in vielen Bereichen erst wenig Menschen diese Potentiale ausnutzen, da es an (bezahlbarem) Internetzugang, Hardware sowie digitaler Bildung mangelt. Neben kreativen Lösungen, wie der Offline-Lernplattform von Next Generation Africa, benötigt es daher vor allem Investitionen in Tools um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen: Internetzugang, (digitale) Bildung, bezahlbarer Zugang zu Handys und Laptops.

Wir danken unseren Referenten und Referentinnen für die wertvollen Einblicke in ihre Arbeit und das Thema Digitalisierung in Sub-Sahara Afrika. Ein großes Dankeschön geht auch an Prometheus für die Bereitstellung der schönen Räumlichkeiten in Berlin und an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen für eurer Interesse und die aktive Mitarbeit während des Seminars. Vielen Dank an alle, die dieses Seminar möglich gemacht haben!

Übrigens: Sowohl Afrolynk als auch Next Generation Africa suchen laufend nach Freiwilligen. Beide Initiativen haben uns sehr inspiriert und werden von höchst motivierten Menschen umgesetzt – Mitarbeit in den Projekten ist daher sicherlich eine sehr bereichernde Erfahrung!

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