Virtuelles Strukturtreffen

Bei unserem diesjährigen Strukturtreffen haben wir uns mit dem EU-Projekt der Östlichen Partnerschaft beschäftigt und das aufgezwungene Online-Format genutzt, um Redner aus der Region zu gewinnen. Den Auftakt am Freitagabend machte Denis Cenuşă, Moldauer und Doktorand an der Professur für Internationale Integration mit besonderem Bezug auf das östliche Europa an der Justus-Liebig Universität in Giessen. Mit seinem Vortrag zum Thema „Eastern Partnership: the coming of age of the EU’s ‘geopolitical child’? “ lieferte er einen detaillierten Überblick über die Ursprünge und Funktionsweise des Projekts. Die Östliche Partnerschaft fördert die Beziehungen der EU zu den Nachbarstaaten Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldau und Ukraine und soll diese dabei unterstützen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freie Marktwirtschaft zu fördern. Vorige Vorhaben gingen wenig auf die Umstände der einzelnen Partnerländer ein. Die Östliche Partnerschaft, die 2009 ins Leben gerufen wurde, berücksichtigt hingegen die unterschiedlichen Interessen und Reformbereitschaften der Partner und möchte auch die Beziehung der Länder untereinander stärken. Herr Cenuşă diskutierte auch die Position Russlands zu dem Projekt und gab einen Ausblick über die Zukunftsstrategien und Herausforderungen der Annäherung der betroffenen Osteuropäischen Länder an die EU. Nach einer ausgiebigen Diskussion im Anschluss ließen wir den Abend mit einer Online-Taburunde ausklingen. 

Am Samstag erzählte uns die Altstipendiatin Anna Kravtšenko, die inzwischen für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Republik Moldau an einem Projekt zur Korruptionsbekämpfung arbeitet, von ihrer Tätigkeit. Sie erklärte uns, dass Korruption in Moldau unterschiedliche Formen annimmt und weit verbreitet ist. Zudem erhielten wir Einblicke in die konkrete Umsetzung von Korruptionsbekämpfung. Anna betonte die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft in ihrem Wirken auf die Regierung. Auch die Stärkung unabhängiger Medien, sowie eines unabhängigen Gerichtssystems sei von großer Dringlichkeit.
Mit dem frischen Input von Anna, machten wir uns anschließend an das Brainstorming für neue Seminarideen. Für die Anstrengungen belohnten wir uns selbst mit einer gemeinsamen Kochrunde mit moldawischen Rezepten. Wir finden, unser Ergebnis kann sich zeigen lassen: 

Der Sonntag begann mit einer kontroversen Diskussion mit dem ehemaligen georgischen Diplomaten und Dozenten an der Universität von Georgien, Gia Japaridze. Dieser sprach sich für eine Neuauflage der Östlichen Partnerschaft aus, da die bestehende Form nicht mehr den aktuellen Umständen entspreche. So hätten sich Georgien, aber auch Moldau und die Ukraine sehr kooperativ und pro-europäisch gezeigt, doch speziell in Georgien hätten Anstrengungen von außen das Justizsystem zu reformieren keine Wirkung gezeigt. Laut Japardize müsse die EU Tiflis mehr Zugeständnisse machen, um die Zivilgesellschaft vom europäischen Projekt zu überzeugen. So solle die EU georgischen Bürgern beispielsweise den Zugang zum EU-Arbeitsmarkt erleichtern, weiter gezielte Hilfszahlung bewilligen und Investitionen in der Region fördern. Durch solche Maßnahmen, so Japardize, zeige man der Zivilbevölkerung die Vorteile der Partnerschaft auf. Erst dadurch kreiere man die nötige Stimmung entsprechende Reformen anzustoßen. 
Anschließend zum dritten Vortrag des Wochenendes haben wir unsere Seminarideen weiter konkretisiert. Eine Gruppe setzte sich mit dem Thema Neokoloniale Strukturen und Finanzkolonialismus auseinander. Die dritte Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht die neuen Möglichkeiten der Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Entwicklungsprojekten genauer zu beleuchten. Wir freuen darauf diese spannenden Seminarideen in naher Zukunft umzusetzen. 
Zu guter Letzt stand der Wahl der neuen Koordinator:innen unserer Initiative an, da sich Belén, Oliver und Emilie in absehbarer Zeit aus der Förderung verabschieden müssen. Wir begrüßen Lina, Nora und Gustave als neue Koordinator:innen. Lina studiert Psychologie in Hamburg, Nora studiert Politik- und Verwaltungswissenschaften in Konstanz und Gustave promoviert im Bereich pharmazeutische Chemie. Wir freuen uns ein buntes Koordinator:innen Team zu haben, das unsere Initiative mit frischen Ideen bereichern wird.  

Wir danken unseren Referenten Herrn Cenuşă, Frau Kravtšenko und Herrn Japardize für ihre Zeit und die wertvollen Einblicke in ihre Arbeitsgebiete. Ein großes Dankeschön geht auch an alle Teilnehmer:innen unseres Strukturtreffens für ihre reges Interesse, ihre aktive Mitarbeit und ihren Einsatz damit weitere Seminare realisiert werden können. 

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