„Background, Bildung und Behörden – Wie gelingt Integration“ Kooperationsseminar mit der Initiative Integration in Bamberg (19.10. – 21.10.18)

Drei Tage lang untersuchten wir während des Seminars in Bamberg regionale und globale Faktoren, die den Integrationsprozess beeinflussen. Die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Bamberg stellte sich hierfür aufgrund ihrer viel besprochenen Aufnahmeeinrichtung, die seit August als Anker-Zentrum fungiert, als passender Veranstaltungsort heraus. Das Wochenende begann am Freitagabend mit einem Vortrag Markus Österleins, dem Leiter der Bamberger Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO), zu seinen Erfahrungen, Problemen und Alltagssituationen aus der größten Aufnahmeeinrichtung Bayerns und einem Einblick in das bayrische Asylsystem. Diskutiert wurde über Themen wie dem Zaun rund um die AEO, Bildungsangebote für die Bewohner und die Wohnsituation in der Einrichtung.

FNF-Stipendiat Constantin Eckner, der momentan in St. Andrews zur „Asyl-Debatte“ promoviert, bot uns einen Überblick zur Geschichte der Integration in Deutschland nach 1949, welche er in vier Phasen beginnend mit der Ära der Gastarbeiter einteilt. Zudem haben wir uns mit der Entstehung und Problematik des Integrationsbegriffs und einer wo möglichen Leitkultur beschäftigt.

Über Integration aus der globalen Perspektive sprachen wir mit Marius Erbrich, Bundesjugendoffizier für Franken und Oberpfalz und Referenten für Sicherheitspolitik. Zunächst haben sich die Teilnehmer selber eine Definition von Sicherheit erarbeitet, bevor dann einzelne Sicherheitsaspekte und deren Ausprägung in Herkunftsländern einzeln betrachtet wurden. Anschließend fokussierte sich Erbrichs Vortrag auf die Entstehung und Entwicklung des Islamischen Staates und dessen Einfluss auch auf Integration in Deutschland, wobei uns vor allem die Analyse eines IS-Propagandavideos im Gedächtnis geblieben ist.

Sozialpädagoge Ricardo Schreck teilte seine Erfahrungen als Lehrer für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an der Bamberger Berufsschule. Er machte uns mit dem typischen Ablauf eines Asylverfahrens in Bayern vertraut und wies auf Probleme hin, die dabei auftreten können. Wir erfuhren Details über die Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu bekommen und Abschiebungen nach Afghanistan.

Mit Ibrahim aus Syrien und Sajjad aus Afghanistan sprachen wir über deren Erfahrungen zu Integration in Deutschland und Probleme, die bei ihnen dabei aufkamen. Die beiden machen momentan eine Ausbildung in Bamberg, schilderten ihren Weg dorthin und teilten ihre Gedanken dazu, welche Faktoren die Integration beeinflussen.

Das vielfältig aufgebaute Seminar endete mit einem Vortrag von der Pädagogin Frau Dr. Lingen-Ali zur Frauenperspektive im Aufnahmekontext und Traumabewältigung. Die Lebenssituation von geflüchteten Frauen ist sehr heterogen, jedoch konnte uns Frau Dr. Lingen-Ali durch Präsentieren von Ergebnissen eines Forschungsprojekts einen Einblick in spezifische Probleme geben, wie zum Beispiel die Schwierigkeit einen Job zu finden oder ein problematisches Rollenbild.

In der abschließenden Diskussionsrunde teilten die Teilnehmer ihre Eindrücke des Seminars und zur Situation in Bamberg. Zudem wurde an Lösungsvorschlägen gearbeitet, wie die Lebenssituation für die Bewohner der Bamberger Aufnahmeeinrichtung verbessert werden kann. Fazit eines intensiven Wochenendes: Flüchtlinge werden in Aufnahmezentren in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft oft alleine gelassen, obwohl allgemein gilt, dass für Integration die ersten 12 Monate besonders einflussreich sind. Daher sollte Kontakt zwischen Deutschen und Bewohnern von Aufnahmeeinrichtungen stärker gefördert werden und man muss die Menschen in Deutschland für Fluchtursachen sensibilisieren und dafür sorgen, dass kein Halbwissen über Flüchtlinge entsteht, mit dem sie populistisch angreifbar werden.

 

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